|
Ab
Dafür >>>
Grunwald´s
Ferienwohnung
>>>
Wechselbälge (Erzählung, Geschichte, Sage, Legende - aus "Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig" 1845, K. Müllenhoff) Neugeborenen
Kindern muss man vor dem Schlafengehen eine Schere aufgemacht auf die
Wiege legen, bis sie getauft sind. Schlafen sie bei der Mutter, muss
man sie beim letzten Wickeln mit einem Kreuz vor die Brust und Stirn
segnen. Sonst vertauschen sie die Unterirdischen. Dennoch ward einmal
einer Frau auf Amrum von den Onnerbänkissen ihr jüngster Knabe gestohlen.
Das Kind, das sie an die Stelle des gestohlenen hingelegt hatten, sah
aber diesem so ähnlich, dass die Mutter anfangs den Betrug nicht merkte.
Später kam der gestohlene Knabe wieder; da wussten die Eltern nicht,
welches ihr eigenes Kind sei, bis ein Zufall sie belehrte. Es war in
der Ernte; da ging die Frau einmal auf die Tenne, nahm die Wurfschaufel
und warf das gedroschene Korn. Die beiden Knaben saßen dabei. Da fing
der eine plötzlich an zu lachen. "Worüber lachst du?" fragte die Frau.
"Ach", sagte das Kind, "da kam eben mein Vater herein und holte sich
eine halbe Tonne Roggen, und als er wieder hinausging, fiel er und brach
ein Bein." Da sprach das Weib: "Du bist es; nun geh, wo du hergekommen
bist!" Damit nahm sie den Knaben und warf ihn durchs Fenster der Tenne
hinaus, und sie sah nachher weder ihn noch seinen Vater wieder. Man
muss übrigens die Tenne nicht gegen die Sonne, sondern mit der Sonne
fegen, sonst stehlen die Unterirdischen das Korn; und damit hatte die
Frau es wohl versehen.
|