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Die Gongers (Sage, Geschichte, Erzählung, Legende - aus "Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig" 1845, K. Müllenhoff) In
Keitum auf Sylt starb einmal eine Frau vor ihrer Entbindung; da ist
sie mehrere Male dem Knecht des Predigers erschienen und hat nicht eher
Ruhe im Grabe gehabt, als bis man ihr Schere, Nadel und Zwirn ins Grab
gelegt. So tut man bei Frauen in Nordfriesland gewöhnlich. Es gibt da
überhaupt manche Wiedergänger oder Gongers; denn wer unschuldig ermordet
ist oder Grundsteine versetzt und Land abgepflügt hat, findet keine
Ruhe im Grabe. Ebenso müssen auch die Gotteslästerer und wer sich selbst
verflucht und die Selbstmörder wiedergeben. Einem solchen Gonger darf
man nicht die Hand reiche; sie verbrennt, wird schwarz und fällt ab.
Wenn einer von der Verwandtschaft auf der See ertrunken ist, meldet
er es nachher den Anverwandten. Wem ein solcher Gonger begegnet, der
erschrickt nicht, sondern wird vielmehr betrübt. Der Gonger meldet sich
aber nicht in der nächsten Blutsverwandtschaft, sondern im dritten oder
vierten Gliede. In der Abenddämmerung oder bei Nacht lässt er sich sehen
in eben der Kleidung, worin er ertrunken ist. Er sieht dann zur Haustür
herein und lehnt sich mit den Armen darauf, geht auch sonst im Hause
herum, verschwindet aber bald und kommt am folgenden Abend um dieselbe
Zeit wieder. Nachts öffnet er, gewöhnlich in schweren, aufgezogenen
Stiefeln, die voll Wasser sind, die Stubentür, löscht mit der Hand das
Licht aus und legt sich dem Schlafenden auf die Decke. Am Morgen findet
man einen kleinen Strom Salzigen Wassers, das dem Ertrunkenen von seinen
Kleidern abgetröpfelt ist, in der Stube. Lassen die Verwandten durch
diese Zeichen sich noch nicht überreden, so erscheint der Gonger so
lange wieder, bis sie es glauben. Der Gonger gibt auch andere Zeichen.
* Ein Schiffer mit zwei Söhnen segelt von Amrum aus mit Saat nach Holland. Der jüngste Sohn hatte gar keine Lust zu der Reise. Er flehte seine Mutter an: "O Mutter, lass mich doch zu Hause bleiben, ich mag nicht mit!" "Ich kann ja nichts dazu tun", sprach die Mutter, "dein Vater will es." Der Sohn musste also mit. As sie auf dem Wege zum Hafen in Bosk über den Steindamm gingen, sagte er zu seiner Mutter und den andern, die ihn begleiteten: "Denket an mich, wenn ihr über diese Steine geht." Noch in derselben Nacht verunglückten sie. Des Schiffers Schwester wohnte bei ihn im Hause. Nachts hatte sie ihr weißes Brusttuch vor dem Bette liegen; am Morgen fand sie drei Tropfen Bluts darauf. Da fühlte sie, dass die Ihrigen umgekommen und sie in der Nacht bei ihr gewesen seien. |