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Der begrabenen Wassermann (Märchen, Geschichte, Sage, Legende, Erzählung - aus "Nordfriesische Sagen", R. Muuß, 1933) Einst
wurde in Nordfriesland ein seltsam gestalteter Leichnam an den Strand
gespült. Die Leute holten ihn herauf, legten ihn in einen Sarg und begruben
ihn bei ihren eigenen Toten. Aber von Stund´an war es nicht richtig.
Das Meer wurde wild, brach mit Ungestüm herein und wälzte ungeheure
Sandmassen vor sich her. Das war feiner, loser Sand, der von der Sonne
bald getrocknet und vom Sturmwind ins Land getrieben wurde. Es war ein
echter Jammer . Wiesen, Heiden, ‚Äcker und Felder wurden mit Sand überschüttet.
"Was ist das?" fragte einer den andern. "Womit haben wir solches verschuldet?
Und wie ist dem Sandfluge Einhalt zu tun?" Da sagte ein kluger Mann:
"Höret mir zu. Der Tote, den ihr auf unserm Friedhof begraben habt,
ist sicherlich ein Wassermann gewesen, und da er nicht wieder ins Wasser
kommen kann, kommt das Wasser, ihn zu holen. Weil ihr ihn begraben habt,
begräbt das Meer eure Äcker und Felder mit dem Sande. Darum öffnet das
Grab und sehet zu, ob der Tote auch seinen Daumen im Munde hat und daran
saugt. Tut er das, so ist´s ein Wassermann und ihr müsst ihn eilends
wieder in die See bringen, wenn ihr nicht wollt, dass sie ihn selbst
holen soll!" Alle Leute gaben dem klugen Mann recht. Man öffnete Grab
und Sarg und fand wirklich, dass der Tote an dem Daumen saugend dalag.
Eiligst lud man ihn auf einen Wagen, der mit zwei Ochsen bespannt war.
Mit emporgehobenen Schwänzen jagten sie dem Meere zu stürzten mit dem
Toten hinein in die See. Da war es vorbei mit der Wasser- und Sandflut,
aber die Dünen, die der Sturm einmal aufgetürmt hat, blieben stehen
und stehen noch da.
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