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friesische Wappen
(Geschichte, Sage und Märchen -Text aus "Marschen und Inseln", 1846) Das Wappen der Friesen ist ein Grützekessel über dem Feuer. Dies scheint mir, besonders für eine kleine Nation, ein viel vernünftigeres Wappen als Löwen, Adler oder dergleichen. Denn in der Tat, um den Herd und um das, was darauf gekocht wird, dreht sich doch am Ende der größte Teil aller Nationalbestrebungen und Kämpfe. Um unseren Herd herumsitzend, wollen wir unsere Grütze ungestört für uns essen, dachten die Friesen, indem sie hinter dem auf der Fahne flatternden Grützekessel herzogen. Es ist darin auch, scheint mit, angedeutet, dass sie nur Verteidigungskriege führen wollen, die einzigen rechtmäßigen Kriege, die es gibt. Übrigens könnte man geneigt sein, aus jenem besagten Kessel einen Grund für die Ansicht der gelehrten herzunehmen, welche behaupten, dass der Name der Friesen oder Fresen von "Fressen" abzuleiten sei, was sonst schwer zu glauben ist. Das Motto aber, welches die Friesen unter ihr Wappen schrieben, ist noch bedeutungsvoller als der Kessel selbst. Es ist energisch, lakonisch und drückt mit zwei Worten den Hauptgedanken, der allen kräftigen Nationen in der Seele steckt, aus. Es lautet:
Noch jetzt ist dieser Spruch nicht ohne Bedeutung, obwohl die Friesen ihre Souveränität verloren haben. Die Souveränität ist nur ein Teil der Unabhängigkeitsrechte einer Nation, und man kann dieselbe einem anderen abtreten und sich doch den Rechts- und Freiheitssinn in Bezug auf vieles andere erhalten haben. Die Friesen genießen noch jetzt bei all ihren Nachbarn den Ruf, dass sie an ihre alten Kommunalrechte und Privilegien festhalten, und dass sie sich nicht so leicht eines entziehen lassen. Auch rühmen sich die Friesen selbst gern ihres freiheitsliebenden demokratischen Sinnes. "Wir Friesen sind alle unter einander gleich, und wir haben keine Aristokratie unter uns geduldet". |